Das Leben auf Elisenhof

Das Leben auf Elisenhof

Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Leben auf Elisenhof geprägt von der Landwirtschaft, von der Arbeit auf den Feldern und in den Stallungen.

Gottlieb Boettcher hatte den Gutshof 1904 gekauft und stetig erweitert. Neben einem Kuhstall mit etwa 60 Milchkühen, 30 Rindern und einem Bullen gibt es Schweine, Schafe, Gänse und anderes Federvieh. Um den Hof herum liegen die zu bewirtschaftenden Felder und Wiesen. Die Leitung des Gutshofes obliegt neben dem Gutsbesitzer einem Verwalter.

Im Jahr 1944 leben und arbeiten neben Familie Boettcher zwölf weitere Familien auf Elisenhof. Den Männern sind jeweils spezielle Aufgaben zugeordnet. Es gibt einen Schweizer, zuständig für den Kuhstall und die Vieh- und Milchwirtschaft und einen Schmied in der Schmiede, in der Reparaturen durchgeführt werden. Die anderen  Arbeiter sind Gespannführer und verantwortlich für den Einsatz der Pferde auf den Äckern. Die Mechanisierung hat auf dem Gut begonnen. Neben einem Holz-Gas-Trecker wird die Handarbeit auf dem Hof unterstützt durch einen Dieselschlepper, Kartoffelroder, Grasmäher, Dresch- und Drillmaschine, Düngerstreuer und andere Geräte.

In den Kriegsjahren sind viele der Männer von Elisenhof als Soldaten im Krieg. Ihre Arbeit auf dem Hof müssen Zwangsarbeiter übernehmen. Es sind Zivil- oder Kriegsgefangene, die aus Russland, Polen oder Frankreich stammen.

Die Frauen kümmern sich um Kinder, Haushalt Garten und das eigene Vieh. Die Familien sind meist kinderreich und neben der Arbeit in der Landwirtschaft des Gutes selbstversorgend. Sie haben beispielsweise eine eigene Kuh und Gänse und auch ein kleines Stück Land zur Bewirtschaftung. Darüber hinaus erhalten die Familien neben freier Wohnungsmiete Deputat: Getreide, Kartoffeln, Milch, Briketts. Für jedes Kind bekommt eine Familie Kinderzulagen an Getreide und Milch. Der Stundenlohn beträgt 10,5 Pfennig.

Die Kinder besuchen die nahegelegene Abbauschule, eine Volksschule. Auch Kinder von den umliegenden Gutshöfen besuchen die Abbauschule, in der sie von einem Lehrer in nur einer Klasse unterrichtet werden. So sind Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zu achten Klasse in einem Klassenraum und lernen gemeinsam. Das Gymnasium im etwas weiter entfernten Preußisch Friedland wird nur von sehr wenigen Kindern besucht.

Abbauschule 1935 mit Kindern von Elisenhof; Foto: privat

Die schulpflichtigen Kinder haben neben der Schule noch vielfältige Aufgaben zu erledigen. Zu ihren Pflichten gehört es, die Schweine oder Gänse zu hüten, auf ihre jüngeren Geschwister aufzupassen, das Wasser von der Pumpe zu holen oder im Herbst bei der Kartoffelernte zu helfen. Für diese Aufgabe werden damals eigens die Herbstferien verlängert – es sind die sogenannten “Kartoffelferien”.

Schweinehüten; Foto: privat
Kinder von Elisenhof; Foto: privat

Sonntags gibt es die sogenannte “Kinderstunde”. Alle Kinder des Gutes kommen zusammen. Es wird gespielt, gesungen, gelesen und es werden Gedichte gelernt. Zu besonderen Anlässen feiern die Familien gemeinsam. Es gibt den sogenannten “Federnball”. Die Familien kommen zusammen, rupfen die Gänse und verarbeiten die Federn zu Bettzeug. Es wird jedoch nicht nur gearbeitet, sondern auch gefeiert. Beim Erntedankfest ziehen die Elisenhofer gemeinsam mit anderen Hofgemeinschaften in einem großen Umzug durch Preußisch Friedland. Und am Heiligabend gibt es eine besondere Überraschung. Familie Boettcher lädt die Familien am Vormittag zu einer gemeinsamen Feierstunde ins Gutshaus ein.